Starnberger SZ vom 14. Juli 2004


Umstrittene Trasse wird 2,5 Millionen Euro teurer

Kosten für die Westtangente explodieren

Kreisräte stimmen Planung dennoch zu / Landkreis muss seinen Anteil über Kredite finanzieren

Von Wolfgang Prochaska

Starnberg - Die Starnberger Westtangente wird erheblich teurer. Statt 4,3 Millionen Euro wird das Projekt nun auf 6,75 millionen Euro kommen. Zwei zusätzliche Brücken haben die Kostenexplosion verursacht, wie im gestrigen Kreisverkehrsausschuss bekannt wurde. Dennoch stimmten die Kreisräte mehrheitlich für den Bau. Letztes Wort hat aber der Kreistag.

  Auch auf den Landkreis kommen höhere Kosten zu. Laut Berechnung des Landratsamts wird der Anteil des Kreises am Bau der Trasse nun auf zwei Millionen Euro geschätzt, da sich auch die Zuschüsse des Freistaates auf 40% reduzieren werden. Angesichts der angespannten Haushaltslage kann der Landkreis diese Summe nur über Kredite finanzieren, was bei einer 20-jährigen Tilgung eine jährliche Zinslast von 160 000 Euro bedeutet.

Die Summe müssen die Gemeinden dann über die Kreisumlage finanzieren.
   Aber nicht die Kosten bewegten gestern die Kreisräte, sondern die vom Straßenbaudirektor Jörg Riedmaier und vom Planer Dieter Gier vorgestellte Trasse. Riedmaier und Gier machten in ihren Ausführungen deutlich, dass die Route zwar einen erheblichen Eingriff in die Natur darstellt, aber die gefundene Lösung der beste Kompromiss sei.
   So wird die Straße zwischen Hadorf und Söcking den Nutzungsgrenzen von Wald- und Feldflur folgen, um eine Zerschneidung der Flächen möglichst zu vermeiden, wie Riedmaier meinte. Zwei Straßenüberführungen schonen zusätzliche Buchenhaine, und auch die Ringelnatter kann sich südlich des Galgenberges weiter vermehren. Für Wild und anderes Getier sind drei Durchlässe unter der Umgehungsstraße vorgesehen.
   Die Einmündung bei Söcking wird per Anschlussstück an die Staatsstraße gestaltet.

Eine direktre Einmündung wäre laut Gier zu problematisch gewesen. Angesichts dieser Planungen sind für die Umgehung deshalb "erhebliche Ausgleichsmaßnahmen" notwendig. Genau sind es 11,4 Hektar. Die Grunderwerbskosten einschließlich der Ausgleichflächen werden daher auf  rund 1,75 Millionen Euro geschätzt.
   In der Diskussion äußerte sich nur die Grünen-Kreisrätin Anne Franke kritisch zur Umgehung, da "zu viel Natur zerstört" werde. Sie lehnte die Planungen ab. Reinhard Dirr (SPD) hingegen lobte das Projekt und sprach von einer "Straße, die für Starnberg bitter notwendig" sei. Während Martin Fink (CSU) sich noch einen Wildzaun wünschte, erinnerte Vize-Landrat Karl Roth, der die Sitzung leitete, daran, dass man auch an die Lebensqualität der Menschen denken müsse.