Artikel aus dem Kreisboten vom 29. Oktober 2003
Rubrik:
LANDKREIS


»Falsche Zahlen stehen lassen«


Der Starnberger Architekt Alexander Walther sieht seinen Ruf als Bauingenieur gefährdet
Von ANDREA JAKSCH

Starnberg - "Entweder absichtlich falsch oder grob fahrlässig" hat die Stadt laut Horst Stockmar und Ideengeber Alexander Walther das "Projekt 2008" beurteilt. Weil sein Seetunnel durch das von der Stadt beauftragte Planungsbüro "Drees & Sommer" angeblich um 1.400 Meter länger und damit um 100 Millionen Euro teurer würde, hatten die Fraktionen bereits im Vorfeld ihrer Entscheidung für eine Verkehrslösung das Walther'sche Projekt aufgrund der Kosten als "Luftnummer" abgetan. Dass seine eigene Längenberechnung indessen richtig und deshalb durchaus finanzierbar ist, belegte Walther nun anhand eines weiteren Gutachtens.
    Auch wenn dem Starnberger Architekten bereits im Vorfeld der Sondersitzung des Stadtrates am vergangenen Montag klar war, wie die Entscheidung ausfallen wird, will er die zwei unterschiedlich berechneten Tunnellängen nicht einfach so stehen lassen: "Das schadet meinem Ruf als Bauingenieur, wenn der Eindruck entsteht, ich könne nicht richtig rechnen", sagte
Walther. Weil bisher Aussage gegen Aussage stand (Drees & Sommer gegen Walther) gab der Starnberger Architekt auf eigene Rechnung ein Gutachten in Auftrag
- Ergebnis: Das Ingenieurbüro für Straßen- und Tiefbau Gruber-Buchecker aus Ebersberg hat die von Walther errechnete Tunnellänge von rund 956 Metern (wenn der Bahntunnel nicht an der ungünstigsten Stelle gequert werden muss) als richtig bestätigt. Ergo kostet der "rohe" Walther'sche Straßentunnel nicht, wie von Drees & Sommer errechnet, 184,1 Millionen Euro, sondern nur noch rund 100 Millionen Euro. Damit ist er nicht wesentlich teurer als der geplante B 2-Tunnel - nur etwas länger (ampelfrei auf einer Länge von rund 2.700 Metern).
   Auch bei der Berechnung der Kosten für den Bahntunnel stehen nach Aussagen von Alexander Walther und Horst Stockmar "falsche Zahlen" im Raum - Walther dazu: "Wenn ich die Bahn verschwinden lasse und auf einer Länge von 2,5 Kilometern schallfreie Grundstücke mit Seeblick durch den Bau des Bahntunnels bekomme, behaupte ich als Sachverständiger für Grundstücksangelegenheiten, erfahren viele der Areale an

Der Starnberger Architekt Alexander Walther kann doch rechnen - das beweist ein unabhängiges Gutachten eines Ebersberger Ingenieursbüros.         aj/Foto: Jaksch
den Gleisen eine Wertsteigerung."
Das Büro "Drees & Sommer" habe zu wenig verwertbare Quadratmeter und für diese zusätzlich einen zu geringen Quadratmeter-Preis angesetzt. Laut Stand Dezember 2002 kostet der Quadratmeter in der Innenstadt 1.400 Euro.
   Verärgert sind die Seetunnel-Befürworter vor allem über die Art und Weise, wie mit ihnen umgegangen worden ist: "Da wurde ungeduldig und abqualifizierend reagiert", lautet ihr Vorwurf. Nachdem der damalige Dritte Bürgermeister Otto
Gaßner (UWG) das "Projekt 2008" schon vor zwei Jahren abfällig als Utopie abgetan hatte, schließe sich nun der Kreis mit der Entscheidung des Stadtrates: "Man hat nach Argumenten gesucht und falsche Zahlen stehen gelassen, um das Projekt abzuschmettern", so die beiden Seetunnel-Verfechter. Ansonsten wäre es absolut unverständlich, wieso man als verantwortlicher Auftraggeber (Stadt Starnberg) zwei so unterschiedliche Ergebnisse in punkto Tunnellänge nicht noch einmal habe überprüfen lassen.