Starnberger SZ vom 28. Oktober 2003



Sondersitzung zur Verkehrslösung in Starnberg

Klare Mehrheit gibt B2-Tunnel den Vorzug
Seetunnel von Alexander Walther als nicht realisierbar abgelehnt / OPLA-Umfahrung wird weiter geprüft

Von Sabine Bader
und Angelika Hamaus

Starnberg - 18 Monate hat der Entscheidungsprozess gedauert. Experten, Stadträte und Bürger beteiligten sich gleichermaßen an den Runden Tischen. Gestern Abend dann im Stadtrat der große Count-down vor den Augen von rund 70 Zuhörern. Aber wie zu erwarten war, hält die Stadt am B2-Tunnel fest, und auch die OPLA-Umfahrung wird weiter untersucht.

   Gleich zu Beginn beantragte Hans-Peter Tauche (FDP), die zukünftige Trassenführung der Bahn zurückzustellen, bis die Finanzierung geklärt und mit der Bahn nachverhandelt ist. Doch mit 25 zu 3 Stimmen wurde sein Antrag abgelehnt. Stadtbaumeister Wolfgang Sikeler hatte noch einmal die zur Abstimmung stehenden Projekte erläutert: See- und Bahntunnel, Gleistunnel am Seebahnhof, B 2-Tunnel, OPLA/Redwitz-Umfahrung und die Westspange. Erwartungsgemäß votierte nur die FDP-Fraktion für den Bahn- beziehungsweise Straßentunnel von Alexander Walther. "Böswillig" sei die Kostenschätzung für das Walther-Straßenprojekt gewesen, kritisierte Benedikt Struppler (FDP). Otto Gaßner (UWG) konterte: "Wir reden über Größenordnungen, die finanzpolitisch nicht darstellbar

Der neue Vorstand des Bund Naturschutz Die Würfel sind gefallen: Gestern Abend hat der Stadtrat die Weichen zur Verkehrsentwicklung in Starnberg gestellt - rund 70 Bürger waren in die Schlossberghalle gekommen.   Foto: Treybal

sind" und nannte 500 Millionen Euro Gesamtkosten.
   Die Chance auf einen späteren Gleistunnel am Bahnhof See wollen sich die Stadträte indes nicht verbauen, wenngleich sie mit 26 zu 3 Stimmen erst einmal für die oberirdische Reduzierung der Gleise stimmten.
   Unterschiedlich im Gremium auch die Haltung zum B2-Tunnel. Jürgen Busse (UWG) bezeichnete ihn als "Kompromisslösung und keinen Königsweg". Walter Jann (BLS) stellte klar, er favorisiere einen Autobahnring zwischen Starnberg und Gauting und nannte den Tunnel eine "kleinbürgerliche Lösung". Otto Gaßner und Rudolf Nirschl (CSU) brachen eine Lanze
für das Projekt. Gaßner: "Starnberg steuert auf einen Herzinfarkt zu; den B2-Tunnel dürfen wir nicht als Therapievorschlag vom Tisch wischen." Mit 22 zu 7 Stimmen bekräftigten die Stadträte ihre Präferenz für das Projekt. "Wir müssen jedoch auch Alternativen aufzeigen", sagte Gerd Weger (CSU). Und darum will sich die Stadt die OPLA-Redwitz-Variante genau ansehen: Es soll eine Kosten-Nutzen-Analyse erstellt werden, so dass auch dieses Vorhaben im Erörterungstermin des Planfeststellungsverfahrens mitgeprüft werden kann. (Bericht folgt)