Artikel aus dem Kreisboten vom 16. Juli 2003
Rubrik:
STARNBERGER STADTKURIER


»Unhaltbar und grob falsch«


Seetunnel: Architekt Alexander Walther ist verärgert über nicht korrigierte Zahlen
Von ANDREA JAKSCH

Starnberg - „Mit falschen Zahlen das Projekt 2008 kaputt machen - das geht einfach nicht". Vehement wehrt sich der Starnberger Architekt Alexander Walther gegen einige der im Drees & Sommer-Gutachten getroffenen Aussagen: Walther findet es „bedauerlich, dass trotz Mahnung die Zahlen nicht korrigiert worden sind".
   Vor allem zwei Behauptungen sind es, die den Vermessungsingenieur („Ich habe schließlich auch einen Ruf zu verlieren", O-Ton Walther) auf die Palme bringen. Eine davon ist die Äußerung von Städteplaner Albert Blaumoser: Dieser hatte die insgesamt frei werdende Fläche durch die Tieferlegung auf rund 40 000 Quadratmeter (=potenzieller Planungsgewinn für die Stadt) geschätzt. „Dies ist falsch", erklärt Alexander Walther, die frei werdenden Bahnflächen würden sich aufgrund amtlicher Lagepläne zwischen Georgenbach und Seearkaden zu rund 64 765 Quadratmeter berechnen, hinter dem Undosa und dem MRSV zu 13 735 Quadratmeter und von da aus entlang dem unteren Seeweg Richtung oberer Seeweg zu 32 125 Quadratmeter. „Dies ergibt eine Fläche aus frei werdendem Bahn-Areal von rund 110 600 Quadratmeter", rechnet der Starnberger Architekt vor. Gemäß Notarvertrag vom 15. Juni 1993 habe die Stadt davon bereits 14 580 Quadratmeter erhalten, wovon ein Teil für die Perlenschnurbebauung verkauft worden sei, berichtete Walther. Für die von der Bahn für den Tunnel benötigte zweigleisige Rampe „kann eine Fläche von rund 5 700 Quadratmeter abgezogen werden", sagte der Ideengeber des Projektes 2008. Blieben also rund 100 000 Quadratmeter freiwerdenden Bahnflächen, „wobei nur öffentliche Grundstücke herangezogen wurden", so Walther. Alle Areale würden an die Bebauung grenzen und könnten von ihrer Tiefe her theoretisch bebaut werden.
   „Ohne Seetunnel betragen die Flächen lediglich rund 45 000 Quadratmeter - mit dem Seetunnel

Bild zum Bericht
Schwere Vorwürfe an Drees & Sommer: Der Ideengeber des "Projekts 2008", Alexander Walther, will sich seine Verkehrslösung nicht kaputt machen lassen. Wenn die Gleise weg sind, werden Walthers Berechnungen zufolge 100 000 Quadratmeter Fläche frei.

aj/Foto: Jaksch

stehen rund 55 000 Quadratmeter mehr zur Verfügung", konstatierte Walther. Es sei einfach „falsch", dass man nur Flächen heranziehen könne, die der Stadt gehörten: „Auch die demnächst der Stadt gehörenden Bahnflächen sind und waren ebenfalls Bahneigentum!" erklärt der Architekt.
   Ebenso „falsch" sei es vom Büro Drees & Sommer, eventuelle Planungsgewinne aus Grundstücken mit den gleichen Quadratmeterpreisen zu kalkulieren, als wenn die Bahn oberirdisch bleiben würde. „Die Grundstücke sind beim Seetunnel ohne Beeinträchtigungen der Bahn mehr wert", verweist Walther auf höhere Planungsgewinne.
   Weiter ärgert es den Starnberger Architekten maßlos, dass Drees & Sommer behaupten, sein Seestraßentunnel würde um 1 400 Meter länger sein und müsste mit vier Prozent Steigung am Schmalzhof auftauchen, während seine Berechnungen mit dem von ihm geplanten Tunnelportal Ernst-Heimeranweg sieben Prozent

Steigung ergeben würden: „Das ist falsch", erklärte Walther strikt und erläutert:
   Die Weilheimer Straße habe im Bereich Ernst-Heimeranweg eine Höhe von 622 müNN (Meter über Normal-Null), der Starnberger See einen mittleren Wasserspiegel von 584,2 müNN. 2,5 Meter Wasserüberdeckung zuzüglich einem Meter Tunneldeckel zuzüglich 4,80 lichte Tunnelhöhe „ergeben eine Oberkante Fahrbahn im Tunnel von 575,9 müNN vor dem Undosa", so Walther. Der zu Überwindende Höhenunterschied betrage also 622 minus 575 = 46,1 Meter. Bei vier Prozent zulässiger Steigung ergebe sich eine Tunnellänge von 46,1 mal 100 geteilt durch vier, also 1 152 Meter ab dem Undosa (Entfernung Undosa zu Ernst-Heimeran-Weg beträgt laut Walther rund 1 200 Meter). „Meine Steigung wurde also mit vier Prozent richtig berechnet - die Behauptungen von Drees & Sommer sind daher unhaltbar und grob falsch", resümiert Alexander Walther.