Starnberger Merkur vom 27. Februar 2003



Kleineres Übel in
freundlichem Blau
Westumfahrung: Konkrete Trasse steht

VON MICHAEL STÜRZER

Landkreis - Knapp 70 Meter soll die Westumfahrung Starnbergs am Naturschutzgebiet Galgenberg zwischen Söcking, Perchting und Hadorf vorbeiführen. Das sieht die blaue Trasse vor, die der Kreis-Verkehrsausschuss gestern Nachmittag befürwortete. Ein Vorstoß der ödp für die so genannte "Luther-Trasse" scheiterte.

   Eigentlich ist es wie die Wahl zwischen Achsenbruch vorne, Achsenbruch hinten und Motorschaden - keine der zwei offiziellen Trassenvorschläge und der ödp-Variante ist auch nur annähernd umweltschonend. Das machte auch Jörg Riedmaier vom Straßenbauamt deutlich: Jede Trasse sei ein schwerer Eingriff in die Natur. Die von der ödp favorisierte Luther-

Trasse - sehr weit westlich quer durch den Wald - schneide hinsichtlich der Umwelt "besonders schlecht" ab, soRiedmaier. Unter anderem, weil sie einen Amphibienlebensraum beeinträchtigen würde. Gerhard Hertlein vom Landratsamt bestätigte dies auf Basis spezieller Untersuchungen. Ulrich Ellwanger (ödp) verteidigte seinen Vorschlag und stimmte am Ende gegen die Amtstrasse. Wie übrigens Anne Franke (Grüne) auch, die jedoch den Sinn des Projektes als solches bezweifelt.
   Der Rest des Ausschusses ließ sich von Riedmaier und Planers Dieter Gier überzeugen, was beiden angesichts geradezu erdrückender Vorteile der "blau" genanntenVariante nicht schwer fiel. Am Anfang und Ende sind die Varianten "blau" und "rot" identisch, lediglich im
Bereich des Galgenberges gibt es Unterschiede. Die "blaue" Trasse liegt 69 Meter vom Galgenberg entfernt, verbraucht etwas weniger Fläche und Wald als die "rote" Trasse und ist wie diese schätzungsweise vier Millionen Euro teuer. Die Einschnitte in die Hügel sind bei der "Blauen" zwar massiver, aber bei weitem nicht so ausgedehnt. Vorteil der "Roten": Der Abstand zum Galgenberg beträgt 100 Meter.
   Das ist aber praktisch der einzige Pluspunkt. Gier betonte, man habe der Natur "im Zweifelsfall den Vorrang gegeben". Auch deswegen empfahlen Straßenbauamt und er die "blaue" Trasse, weil bei ihr einige tausend Quadratmeter Biotope weniger zerstört werden.
   Nächste Entscheidungsgremien sind Stadtrat und Kreisausschuss.