Artikel aus dem Kreisboten vom 19. Februar 2003
Rubrik:

STARNBERGER STADTKURIER


»Tödlich nichts zu tun«


Starnberger Bürgerliste sieht in Autobahn-Ringschluss eine Chance für die Kreisstadt
Starnberg - Für die Bürgerliste Starnberg (BLS) ist der Autobahn-Ringschluss München Süd, für den der Landtag im Herbst vergangenen Jahres eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben hat, die einmalige Chance lokale Verkehrsprobleme in Starnberg gleich mit zu lösen: "Zusammen mit der Westtangente könnte der Ringschluss eine Umfahrung von Starnberg werden", sagte der BLS-Chef und sieht nach 14 Jahren wieder Hoffnung für den alten Traum der Bürgerliste nach einer grißräumigen Umfahrung der Kreisstadt. In diesen Tagen startet die BLS einen privaten Vorstoß und verschickt ein entsprechendes Thesenpapier an die Befürworter des Autobahnrings im Münchner Süden sowie an das Verkehrsministerium.
   "Das ist keine Initiative gegen einen B2-Entlastungstunnel oder andere Verkehrslösungen", stellte Walter Jann bei einem Pressegespräch klar. Weil aber möglicherweise niemals  ein B2-Tunnel in Starnberg gebaut wird", so der BLS-Chef, möchte er die Möglichkeit nicht verstreichen lassen, auf den vom Landtag in Gang gesetzten Zug aufzuspringen und rechtzeitig die Interessen Starnbergs anzumelden. "Tödlich" wäre es laut Adolf Herrmann "jetzt nichts zu sagen". Dann könnte es passieren, dass Starnberg überhaupt keine Lösung bekommt und der Autobahnring an der "falschen Stelle" sei.
    Die Bürgerliste geht davon aus, dass der "Entlastungstunnel" oder andere derzeit diskutierte Verkehrsvarianten frühestens 2008 in die erste Dringlichkeitsstufe des Bundesfernstraßenplans kommen werden - wie es dann um die Finanzen
Die Bürgerliste Starnberg möchte im oben eingezeichneten Planungskorridor prüfen lassen, wo eine Autobahn-Trasse realisiert werden könnte.     aj/Foto: Jaksch

bestellt sein wird, um Verkehrslösungen zu realisieren, steht in den Sternen.
   Dagegen ist sich die BLS einig, dass "der Autobahn-Ringschluss A 96 (München-Lindau) über die A 95 (München Garmisch) zur A 8 (München-Salzburg) kommen muss". Denn bei der prognostizierten Zunahme des Frachtverkehrs in den nächsten zehn Jahren um über 30 Prozent und beim Individualverkehr um bis zu 20 Prozent, fragte sich Jann: "Wo sollen die denn alle hin?" Der West-Nord-Ost-Autobahnring um München werden diesen Zuwachs nicht aufnehmen können, ist er überzeugt.
   Damit die Kreisstadt Starnberg von einem Ringschluss im Süden profitiert, müsse die Trasse laut BLS zwischen Königswiesen und Mühltal verlaufen. "Sowohl Gauting als auch Starnberg hätten damit eine Umgehung", erklärte Walter Jann. Nachdem mit der Realisierung des Ringschlusses kleinere Ortsumfahrungen wie beispielsweise Ober-/Unterbrunn und auch der B2-Tunnel in Starnberg überflüssig würden, könnte man die für diese Projekte vorgesehenen Finanzmittel "fast in voller
Höhe" für den Bau des Autobahn-Ringes einsetzen: "Damit wären schon 20 Prozent der Baukosten abgedeckt", so Jann.
   Ihm ist auch klar, dass die Trasse durch "sensibles Gebiet" nicht leicht durchzusetzen ist. Immerhin waren Pläne aus den 70er Jahren wegen unüberwindbarer Schwierigkeiten und heftiger Bürgerproteste abgelehnt worden. "Kein Mensch bestreitet, dass der Straßenbau Opfer an der Natur verlangt", gab Jann zu. Doch man müsse auch die Relation sehen: "Die Straßen Deutschlands bedeckten derzeit weniger als 1,5 Prozent der gesamten Fläche der Republik. Die Schaffung einer ausreichend verkehrlichen Infrastruktur würde nach Ansicht der Experten mit etwa weiteren 0,5% Land-Verbrauch möglich sein", erklärte der BLS-Vorsitzende und rechnete vor: "Von einem Quadratkilometer Land, das sind eine Million Quadratmeter, müssten somit 50.000 Quadratmeter geopfert werden, um den berechtigten Mobilitätsanspruch von Privatpersonen und Wirtschaft befriedigen zu können."
aj


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