Leserbrief aus dem Starnberger Merkur vom 15. Mai 2002




Ratsmehrheit für Westumfahrung

Baubehörde plant Spange als Kreisstraße - Widerstand
   Starnberg (irl) - Mit 23:5 Stimmen hat der Stadtrat den - von Benedikt Struppler (SPD) unterstützten - Antrag der Grünen abgelehnt, für die geplante Westumfahrung Starnbergs ein Raumordnungsverfahren einzuleiten. Dennoch wollte auch Otto Gaßner (UWG) Bedenken nicht von der Hand weisen, dass die mögliche Ausweisung der Spange als Kreis- statt als Staatsstraße rechtliche Probleme aufwerfen könnte. Iris Ziebart (FDP) forderte, sich noch nicht auf eine Trasse festzulegen, bezweifelte auch den Nutzen der Umfahrung für die Stadt, die dafür erheblich zur Kasse gebeten werden soll.
   Wie berichtet, hat der Kreistag im April den Auftrag für eine Vorplanung erteilt. Jörg Riedmaier vom Straßenbauamt erläuterte den Stadträten das Vorgehen. Danach ist die Westumfahrung als Kreisstraße geplant. Baulastträger wäre somit der Landkreis, der Sich die Kosten mit der Stadt teilt. Gehe man von einer überörtlichen Bedeutung der neuen Verbindung aus, argumentierte Fritz Urban (Grüne), handele es sich um eine Staatsstraße, die laut Gaßner vom Freistaat nicht vor 2013 bezuschusst würde und deren Trasse in einem Raumordnungsverfahren geprüft werden müsste.
In Freising und Weilheim seien Verfahren gerichtlich eingestellt worden, weil man die falsche Straßenklasse gewählt habe.
   Dennoch sprach sich der Stadtrat mit ebenfalls 23:5 Stimmen für den Auftrag des Kreistages aus, eine kurze und landschaftsschonende Trasse zu wählen (die laut Riedmaier in jedem Fall auf Umweltverträglichkeit geprüft wird), sich an den Kosten zu beteiligen und entsprechend diesem Anteil ein
Mitspracherecht gegenüber Auftragnehmern und Behörden zu fordern.
   "Sowohl der Forst als auch die Landwirtschaft leisten vehementen Widerstand gegen die ins Auge gefasste Route", so Riedmaier. Es gelte hier den Mittelweg zu finden. Laut Adolf Herrmann (BLS) hat der Bund Naturschutz bereits zwei Sperrgrundstücke in dem Bereich erworben und erwägt eine Verbandsklage.
STIMMEN
"Es ist vermessen, wenn die untere Naturschutzbehörde schon vor der Prüfung sagt, die Maßnahme sei ökologisch ausgleichbar."
Fritz Urban (Grüne)

"Ich bin wegen der sehr verharmlosenden Stellungnahme sauwütend. Keine Trasse ist landschaftsschonend."
Angelika Grimm (Grüne)

"Das Kurzak-Gutachten, das eine wesentliche Entlastung Starnbergs verneint, hätte mehr Zukunftsperspektive entwickeln müssen."
Holger Knigge (SPD)
"Ohne Westumfahrung lassen wir den Schwerlastverkehr ungebremst in unsere schon höchstbelastete Stadt hineinrauschen. Wenn wir zum Beispiel Söcking entlasten wollen, müssen wir energisch daran gehen, den Verkehr zu leiten."
Reinhard Dirr (SPD)

"Aus den bisherigen Verhandlungen kann ich berichten: Naturdenkmäler und Biotope werden nicht durchschnitten. Auch der Seetunnel rechnet mit der Westumfahrung. Außerdem trickst hier niemand, das ist ein völlig offenes Verfahren."
Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger